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  Fastnacht 1999  

 

 

De Bahnhofsplatz is
öd un leer – da muß en
Faßnachtsbrunne her !

 

Flörsheimer Zeitung 24.08.1999

"Menschen, die für andere da sind"

800 Besucher beim zweiten Hoffest im Laurentius Münch Haus

FLÖRSHEIM (hbk) ‑ Kolpingfamilie, Raabekazze, Musikverein und GV Sängerbund organisierten gemeinsam das zweite Hoffest im Laurentius Münch Haus. Schon im letzten Jahr wurde dieses Fest von den Bürgern sehr gut angenommen. Damals kamen 500 Besucher. Das Wetter war aber in diesem Jahr bedeutend besser, so dass die Hauptveranstalter, die Raabekazze, mit 800 Gästen rechneten.

Alle Einnahmen aus der Bewirtung ‑ die Musiker spielten ohne Gage ‑ werden zu gleichen Teilen an das Laurentius Münch Haus und an den Hospizverein "Lebensbrücke" gespendet. Das Hoffest begann mit einem Familiengottesdienst im Garten des Laurentius Münch Haus, zelebriert von Pfarrer Frank‑Peter Beuler. Vorbereitet wurde er vom Kreis junger Familien der Kolpingfamilie . Die musikalische Gestaltung hatte die Sacro-Pop-Gruppe "David" aus Idstein übernommen. Zum Thema "Hände" wurden viele Lieder gesungen, das bekannteste: "Er hält die ganze Welt in seiner Hand.

Während des Gottesdiensts im Grünen bestand für alle Teilnehmer, darunter viele Heimbewohner, die Möglichkeit, Hände aus Papier mit einem Wunsch zu beschriften. Zum Schluss entstand eine buntbeklebte Altarrückwand. Auf den "Händen" war zu lesen: "Die Menschen sollen liebevoller miteinander umgehen". "Den Heimbewohnern Gesundheit und Gottes Segen". Aber auch ganz konkret: "Ich wünsche mir ein Pferd und einen Hasen".

Der Wunsch "Es soll viele Menschen geben, die für andere da sind" wurde dann anschließend beim Frühschoppen mit Konzert umgesetzt. 40 Musiker     des Musikverein unter Leitung Von Uwe Deparade unterhielten Jung und Alt mit Volksliedern und modernen Rhythmen. 25 Männer des Sängerbund mit ihrem Dirigenten Rainer Tauber sangen unter anderem das Weinlied ,Von der Traube in die Tonne".Am 18. September wird es ein weiteres Gemeinschaftskonzert dieser beiden Flörsheimer Vereine geben. Dann wird gemeinsam das 10‑jährige Jubiläum des Frauenchors im Sängerbund in der Stadthalle gefeiert.Die Mitglieder der "Raabekazze" sorgten für das leibliche Wohl der Gäste. Ob an der Grillpfanne, am Steakbrater, am Bierausschank oder am Geschirrmobil: Überall frohe Gesichter, denen die große Freude an diesem sozialen Engagement anzusehen war.Der Nachwuchs der "Raabekazze" hatte die Bedienung der Besucher übernommen. Mit Namensschildchen waren sie deutlich zu erkennen. Die "Raabekazze" wünschen sich, dass das Hoffest im Laurentius Münch Haus eine feste Tradition wird, die von ihnen initiiert wurde, aber deren Durchführung im nächsten Jahr von einem anderen Verein übernommen werden soll.Und was den vielen Besuchern vom Hoffest im letzten Jahr noch in guter Erinnerung war, lockte auch am Sonntag wieder viele an: Die Kuchentheke mit über 60 gespendeten, selbstgebackenen Torten und Hefekuchen!

 

 

 

Main-Spitze 25.10.1999

Willkommene Unterstützung

Musikverein und Raabekazze spenden an Münch‑Haus und Hospizverein

ds. FLÖRSHEIM ‑ Eine Spende in Höhe von 5600 Mark haben der Flörsheimer Musikverein und die "Raabekazze" am Freitag je zur Hälfte dem Flörsheimer Hospizverein und den! Laurentius‑Münch-Haus gespendet. Das Geld stammt aus dem Erlös des diesjährigen Hoffestes im Alten- und Pflegezentrum.
Am 22. August hatten die "Raabekazze« und der Musikverein zudem Fest eingeladen. Gekommen waren zahlreiche Flörsheimer, viele von ihnen haben ihren Teil zu der 60 Kuchen umfassenden Kuchentheke dazu getan. "Das ist Flörsheimer Geld für Flörsheimer Bürger", sagte Robert Mohr von den "Raabekazze" bei der Spendenübergabe.
Der Hospizverein will mit seinen 2800 Mark die Ausbildung seiner Mitarbeiter finanzieren. Das Münch‑Haus wird das Geld in einen zusätzlichen Patienten ‑ Lifter investieren. Damit können stark pflegebedürftige Menschen leichter aus dem Bett kommen. Ein solcher Lifter kostet fast 8000 Mark, einen Teil davon deckt nun die Spende ab.
"Es waren viel mehr Leute da als letztes Jahr", freute sich der Leiter des Münch‑Hauses, Bernhard Schnabel, über die gute Resonanz auf das Hoffest, das im vergangenen Jahr seine Premiere gefeiert hatte. "Vielleicht lag das ja am tollen Wetter", mutmaßte die Vorsitzende des Musikvereins, Gisela Diehl. Ein Erfolg war auch der Gottesdienst vor dem Hoffest, der von der Kolpingfamilie gestaltet wurde. "Das kam bei, den Bewohnern sehr gut an" betonte Schnabel, der das "tolle Engagement" der vielen freiwilligen Helfer ganz besonders in den Vordergrund stellte.

 

 

Main-Spitze, 12.11.1999

Die Fastnacht lebt auch vom Wandel

Hochinteressante Diskussion über die Geschichte und Blicke auf die Zukunft

FLÖRSHEIM   Die Fastnacht in Mainz schaut auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Seit dem das Brauchtumsfest vor dem Beginn der kirchlichen Fastenzeit gefeiert wird, unterlag es einem stetigen Wandel, der nicht selten durch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse begründet war.

Von unserem Mitarbeiter: Michael Kapp

In der Määnzer Fastnacht ' die ähnlich der in Flörsheim gefeierten ‑ was auch auf eine lange kirchliche und politische Zuordnung der Untermainstadt nach Mainz zurückzuführen ist  im Ursprung eine Straßenfastnacht mit Umzügen und Wagen ist, schlugen sich stets die von den Machthabern der jeweiligen Zeit verfügten Auflagen, aber auch die von ihnen praktizierten Freiheiten nieder.

Dr. Rudi Henkel, viele Jahre lang Präsident vom Mainzer Carneval Club (MCV), schlug am Montag Abend, bei einer Podiumsdiskussion der um die Bewahrung des fastnachtlichen Brauchtums in Flörsheim bemühten "Raabekazze" sowie dem Flörsheimer Fastnachtsverein (FCV), einen sehr weiten Bogen in die Vergangenheit: Fastnacht, wie sie heute noch in Mainz gefeiert wird, geht danach bis ins Mittelalter zurück.
Den MCV freilich gibt es erst 1 seit 1838. Doch selbst in den Jahren danach, wie man sich denken kann, erfuhr das 1 Brauchtumsfest, bei dem sich die Menschen vor der Fastenzeit noch einmal Saus und

Braus, Völlerei und Trinkgelagen hingaben, eine wechselhafte Entwicklung, die bis zum heutigen Tage anhält. Während Henkel zum geplanten Vortragsthema "Fastnacht nach dem Krieg" ‑ welcher da wohl gemeint war ? ‑ nur wenig beizusteuern wusste, ließ das anschließend zusammengetretene Podium, bestehend aus Dr. Marcel Biegler und Hans‑Joachim Kunz (FCV), Frank Germer (WUFF), Heinz Meller (Mombacher Bohnebeutel) und Manfred Wiegand (Fastnachtsclub Weisenau) keinen Zweifel daran, dass die Fastnacht auch immer wieder Neues verträgt, um sie einerseits attraktiv zu halten, anderseits damit die Abwanderung junger Leute, die inzwischen in alternativen Fastnachtsveranstaltungen, wie sie etwa von der WUFF gefeiert wird, ihren Spaß haben, abzuwehren.

Im Podium, in dem auch Dr. Rudi Henkel Platz genommen hatte, wehrte sich niemand grundsätzlich gegen Veränderungen, die je nach Flexibilität und Verständnis längst auch bei den Traditionsvereinen Einzug gehalten haben. Ein gutes Beispiel ist der FCV, der seine Sitzungen in der neuen Kampagne auf Großbildleinwand übertragen wird, damit auch die Gäste in der letzten Reihe noch sehen können, was

vorne auf der Bühne abgeht. "Das Medienzeitalter hat uns alle zu TV‑Hoppern gemacht", so Hans‑Joachim Kunz ‑ der FCV trägt denk, mit seiner technischen Innovation Rechnung.

Mehr Showelemente in den Sitzungen können sich auch seine Kolleg aus den Traditionsvereinen vorstellen. Ob sie allerdings, die sich als Nachfolger der organisierten Fastnacht verstehen , solch radikalen Elementen, wie sie bei den WUFF‑ Sitzungen in Weilbach gebraucht werden ‑ wo die Kerbeborsch dem Publikum auch schon einmal den nackten Hintern entgegengestreckt haben, bleibt fraglich, denn gleich wurde bei der sehr gut besuchten Veranstaltung im Flörsheimer Keller auch schon wieder daran erinnert, dass die Fastnacht sauber zu bleiben hat.

Doch eine gewisse Bewunderung für die Art, wie vor allem junge Leute heute Fastnacht zu feiern pflegen, war keinem im Podium abzusprechen. Dr. Rudi ]Henkel ermunterte den Nachwuchs, so lange es nicht den guten Geschmack verletzte, zum Weitermachen. Dass es Neues in althergebrachten, traditionellen Sitzungen schon immer schwer hatte, darauf machte ein Redner aus dem Saal aufmerksam, der an den einmal als "Nestbeschmutzer" bezeichnete Büttenredner Herbert Bonewitz erinnerte, um den sich alle gerissen haben, nachdem der nicht auf der Fastnachtsbühne stehen wollte.

Dass es gerade heute, wo doch alles auf der Bühne gesagt werden darf, zu wenige "gute politische Vorträge" gibt, die nach Meinung von Heinz Meller "das A und 0" bei jeder Sitzung sind, rechnete Dr. Marcel Biegler auch den Medien zu, wo man inzwischen das ganze Jahr über "Spitzzüngigkeiten" geboten bekomme. Die Redner möchten sich diesem Druck nicht aussetzen.

Den im Wandel begriffenen Publikumsgeschmack, so viel lässt sich vielleicht als Quintessenz der Diskussion um die Zukunft der Fastnacht zusammenfassen, gedenken die Traditionsvereine mit mehr Show, neuer Technik und Musik, die nicht immer nur auf die ollen Kamellen zurückgreift, aber auch weiterhin mit traditionellen Elementen wie Büttenreden und Kokolores beantworten.